Der Wert der Einfachheit: wie ein reduzierter Webauftritt Künstlern hilft
Wer heute als bildender Künstler oder Illustrator arbeitet, kennt den Druck, überall präsent zu sein. Instagram, Behance, Twitter, TikTok – jede Plattform verlangt nach ständig neuen Postings, Storys und Hashtags. Die eigentliche Arbeit gerät dabei oft aus dem Blickfeld.
Vor kurzem stieß ich auf die Website von Thomas Spitzer online. Sie besteht aus kaum mehr als einer Startseite mit einigen seiner Zeichnungen und einem Kontaktformular. Kein Blog, kein Social-Media-Feed eingebettet, keine Newsletter-Anmeldung. Das wirkte erfrischend altmodisch und gleichzeitig sehr bewusst gewählt.
Die Flut der Plattformen und ihre Fallstricke
Jede neue Plattform verspricht Reichweite und direkten Austausch mit dem Publikum. In der Praxis bedeutet das aber vor allem eines: Zeitaufwand für Inhalte, die nichts mit dem eigentlichen künstlerischen Schaffen zu tun haben. Der Algorithmus belohnt häufiges Posten und Reaktionen auf Trends – selten die Tiefe einer einzelnen Arbeit.
Ich habe selbst erlebt, wie schnell das zur Zerstreuung führt. Statt am nächsten Motiv zu arbeiten, überlegt man sich die perfekte Bildunterschrift oder analysiert Engagement-Kurven. Für viele Künstler ist dieser Dauerbetrieb erschöpfend und kreativitätshemmend.
Was ein eigener Webauftritt leisten kann
Eine persönliche Website gibt die Kontrolle zurück. Hier bestimmt der Künstler selbst den Rahmen: Welche Werke gezeigt werden, in welcher Reihenfolge und mit welchem Kontext. Kein Algorithmus entscheidet über die Sichtbarkeit.
Die Seite von Thomas Spitzer macht das konsequent vor. Sie zeigt eine Auswahl an Zeichnungen ohne Datumshinweise oder Likes unter jedem Bild. Der Betrachter kann sich ganz auf die Linienführung und Komposition konzentrieren. Nichts lenkt ab. Auch mir fiel beim Betrachten auf, wie sehr ich mich plötzlich auf Details einließ – etwas, das mir im Instagram-Scrollrausch kaum mehr gelingt.
Der Fall Thomas Spitzer – was wir lernen können
Natürlich ist diese Zurückhaltung nicht für jeden Künstler passend. Aber sie zeigt eine Alternative zum mainstreamgetriebenen Online-Marketing. Spitzers Website folgt keinem Trend. Sie vermittelt eher das Gefühl eines stillen Ateliers. Man tritt ein und schaut sich um.
Ich finde es bemerkenswert, dass er bewusst auf soziale Buttons verzichtet hat. Sogar der Impressum-Link ist unauffällig platziert. Das wirkt nicht amateurhaft. Sondern durchdacht. Aber es wirft auch Fragen auf: Wie findet man ohne Verlinkungsketten neue Kunden? Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Aber vielleicht ist es genau dieser Verzicht auf schnelle Erfolge, der langfristig eine treue Anhängerschaft schafft.
Weniger ist mehr – aber nicht für jeden
Trotz meiner Sympathie für schlichte Websites muss ich einräumen: Sich auf eine reine Galerieseite zu beschränken funktioniert nur unter bestimmten Voraussetzungen. Man braucht bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad oder eine Nische mit spezifischer Nachfrage. Auch die Art der Arbeit spielt eine Rolle:










